Salewa Hüttenpraktikum Woche 4

Vier (Arbeits-)Tage auf der Warnsdorfer Hütte #HUETTENPRAKTIKANT

Notizen von Verena Helminger

22.7., Donnerstag. Ankommen – mein erster Tag auf der Warnsdorfer Hütte. Die Vermurungen, auf die ich beim Abstieg vom Großvenediger (3.657 m – Juchuuu, ich war dort!) traf, machten es unmöglich, pünktlich am Mittwochabend nach Krimml zu kommen, wie es ursprünglich mein Plan war. Daher treffe ich erst Donnerstagmorgen am Talort Krimml ein. Die ersten Kilometer des langen Achentals fahre ich mit dem Wandertaxi bis zum Krimmler Tauernhaus (1.622 m). Von dort geht es zu Fuß weiter und nach rund neun Kilometern und ca. zwei Stunden mit immer schwerer werdendem Hochtouren-Rucksack treffe ich vor der Warnsdorfer Hütte (2.336 m) endlich auf Elli und Stefan, die beiden Hüttenwirte und meine Arbeitgeber für die nächsten Tage. Die zwei sind seit dem 2. Juni wieder fix hier oben und nehmen sich bis zum Herbst kaum Auszeiten. Wenn, dann nur klitzekleine Momente, wie z.B. ein Eisbad am Gletscher. Ihre Energie widmet das Paar voll und ganz dem Hüttenalltag. Mit einem großen „Servus!“ drückt mir Stefan einen schnellen Schnaps in die Hand. Anschließend schlüpfe ich zackig unter die Dusche, um für den anstehenden Crash-Kurs an der Schank parat zu sein. Und schon geht´s los und ich bin mittendrin: Die Teilnehmer*innen einer Bergrettungs-Ausbildung treffen ein und Gläser werden gefüllt. Elli und Stefan, die die Warnsdorfer Hütte im vergangenen Jahr übernahmen, haben ein super Team aus drei Servicemädels und einer Küchenhilfe, dem Meisterkoch Josef und als Joker arbeitet immer wieder Ellis Mutter mit, die extra aus dem Tal anreist, wenn es trubelig wird. So auch an diesem Wochenende. Auch als gute Seele bezeichnet, ist Ellis Mutter vorrangig für Kuchen, Nachspeisen und auch den Abwasch verantwortlich. Die Arbeitsteilung geht auf der Hütte Hand in Hand: Es ist schnell klar, wer für was das Sagen hat und das Zusammenspiel des Teams wirkt super harmonisch auf mich. Elli und Stefan überlassen die Einteilung recht frei den fünf Mitarbeiter*innen. Ein unglaubliches Vertrauen und die Wertschätzung untereinander spürt man gleich ab der ersten Minute. So funktioniert es auch, ihrem hohen Anspruch an Service, Qualität und Hygiene gerecht zu werden. Alle Aufgaben müssen korrekt und smart erledigt werden. Die Getränke werden edel serviert, dafür gibt es auch extra eine kleine, feine Weinkarte. Das Glas muss immer gekühlt sein und es darf auf keinen Fall zu viel Schaum auf dem Bier thronen. Das gleiche gilt auch für die Küche: Die Gäste bekommen nur frisch zubereitete Gerichte, schön dekoriert und bis in´s Detail abgestimmt. So wundert es mich gar nicht, dass uns die Bergretter*innen Elli´s Kuchen wortwörtlich aus den Händen reißen. Für Josef, den exzellenten Koch, gibt es einen Sonderapplaus nach dem grandiosen Abendessen. Die Stimmung erinnert mich mehr an ein Gasthaus als an eine Hütte, die – kaum steht man draußen – vom Rauschen der Gletscherbäche eingehüllt wird. Es herrscht gute Laune unter netten Leuten, die gute Getränke genießen. Die Hüttenruhe wird aufgrund des gegebenen Anlasses ein wenig nach hinten verlegt. Schließlich muss so eine abgeschlossene Bergretter-Ausbildung gebührend gefeiert werden. Während einige noch plaudern, bereiten wir das Frühstück vor. Nebenbei heißt es Küche putzen und Getränke nachfüllen. Recht spät sagen wir: Gute Nacht! Bevor ich die Augen schließe, denke ich: Hier werkelt ein Dream-Team. Man merkt, dass das Paar die Berge und das Leben auf der Hütte liebt. Mit der Übernahme der Hütte nahe des Krimmler Kees haben sich Elli und Stefan einen Traum erfüllt, der nach einer realen Hüttensaison 2020 längst nicht ausgeträumt ist.

23.7., Freitag. Von früh bis spät – Hüttenalltag bis zur Nachtruhe. Der Frühdienst startet bereits um 6.30 Uhr in den Morgen. Ich darf noch schlummern und muss um 7.30 Uhr parat sein: Frühstücksraum abräumen, sauber machen und putzen – damit geht`s los. Ist das erledigt, wartet der weniger schöne Teil des Hüttenalltags auf mich: WC und Dusche putzen, Matratzenlager und Zimmer säubern, Wäsche waschen, Müll ins Tal bringen. Da wird einem wirklich bewusst, wie wichtig es ist, möglichst gar keinen Müll hochzubringen und den wenigen Müll bei der Abreise einfach im Rucksack wieder mitzunehmen. Und ganz wichtig: Bitte nur Papier in die Tonnen schmeißen. Unterdessen regelt Stefan, wie jeden Tag, den Taltransport mit seinem Pinzgauer und der Materialseilbahn. Elli und ihre Mama stehen in der Küche, backen Kuchen und bereiten Desserts zu. Gegen 11.00 Uhr treffen die ersten Tagesgäste ein, sitzen auf der Terrasse und genießen die wunderbare Atmosphäre und den Ausblick rund um die Hütte. Josef, der Koch, macht sich – neben den Mittagsspeisen – bereits an die Vorbereitung des Abendessens, das aus frischen Lebensmitteln, die mit der Materialseilbahn aus dem Tal geliefert werden, zubereitet wird. Wow! Das ist echt ein ziemlicher Aufwand, der hier oben auf knapp 2.300 Höhenmetern betrieben wird. Das Tagesgeschäft macht mir Spaß, die Gäste sind alle gut gelaunt und freuen sich über die leckeren Gerichte und einfach darüber, hier oben bei uns zu sein. So vergeht der Tag ohne eine Minute Langeweile. Während die Gäste noch auf der Terrasse sitzen, wandert die Sonne stetig Richtung Westen. Für mich heißt es Besteck auszählen und die Tische fürs Abendessen vorbereiten. Schnell schlüpfe ich noch unter die Dusche, bevor ab 18.30 Uhr der Abendservice Fahrt aufnimmt. Stundenlang laufe ich zwischen Küche und Schank hin und her. Macht müde, aber auch total viel Spaß! Der Spaß gilt für die Gäste natürlich ebenso und so verschiebt sich auch an diesem Abend die Nachtruhe nach hinten. Keiner will ins Bett. Ich irgendwann dann schon. Und gegen Mitternacht klappt es auch.

24.7., Samstag. Einmal Gast sein, 30 Jahre Elli und das Gefühl, dazu zu gehören. Heute darf ich als Gast in den Tag starten. Für mich beginnt der Tag um 4.00 Uhr morgens. Es gibt Thermofrühstück, das am Vorabend von den Servicemädels zubereitet wurde. Mein Plan: Eine Überschreitung vom Gamsspitzl (2.888 m) auf die Simonyspitze (3.480 m). Es wird eine wahnsinnig schöne und beeindruckende Tour! Um 13.00 Uhr genieße ich glücklich und ausgepowert den bisher besten Kaiserschmarrn meines Lebens auf der Terrasse der Warnsdorfer Hütte. Nach einer kurzen Verschnaufpause bin ich wieder voll im Nachmittagsgeschäft: Getränke holen, Kuchen vorbereiten, servieren. Um 18.30 Uhr heißt es dann: Happy birthday, Elli! Neben dem regulären Abendessen-Business zelebrieren wir Ellis 30. Geburtstag. Bei einem Glas Wein bleibt es natürlich nicht. Mit Gitarren-Begleitung und schönen Liedern singen und feiern alle bis spät in die Nacht. Wieder denke ich: Ein äußerst sympathisches, lustiges und motiviertes Paar. Von dieser Gastfreundschaft bin ich echt begeistert. Ich fühle mich, als würde ich zu dieser Familie dazugehören.

25.7., Sonntag. Von der Frühstücksgier und dem Abschied Puhhh. Auf eine kurze Geburtstagsnacht folgt ernüchternd früh der Frühstücksdienst. By the way: Elli und Stefan kommen während der Saison auf maximal fünf bis sechs Stunden Schlaf pro Nacht. Um 6.00 Uhr morgens stürmen 40 motivierte und scheinbar ausgehungerte Bersportler*innen auf einen Schlag das Frühstücksbuffett. Da geht´s her, als wäre nicht genug für alle da. Kaum ist die Wurstplatte leer, schallt es durchs Stüberl: „Der Wurstteller ist leer.“ Dabei war Nachschub schon im Anflug und ich denke im Stillen: 10 Sekunden hätte man ja mal warten können. Elli und Stefan bleiben in solchen Situationen super entspannt und sind dafür echt gemacht. Na ja, auch die Teller könnte man Abräumen, wie es der ein oder andere Gast bereits tut. An diesem Morgen überfordert mich die Gier auf das Frühstück ehrlich gesagt. Liegt das an zu wenig Schlaf? Nach dem Frühstücksservice schultere ich meinen Rucksack, trete vor die Hütte und aus dem Hüttenalltag aus. Mit Blick Richtung Tal steige ich zwischen gemächlich grasenden Rinderherden ab. In der Stille fliegen die Momente der vergangenen vier Tage durch meine Gedanken. So viele Impressionen und Einblicke. Elli und Stefan, ihr Team, die Hütte – ich bin begeistert und werde wieder kommen. Ob als Gast oder auch gern mal wieder als Teil des Teams.


Direkt am Montag nach den wunderschönen Eindrücken auf der Warnsdorfer Hütte ging es mit dem Team von Salewa ins Kaisergebirge zum Anton-Karg Haus und zum Stripsenjochhaus. Am Donnerstag war dann nochmals das Kaisergebirge am Plan mit der Selbstversorgerhütte Ackerlhütte mit Gipfelsieg auf der Ackerl und Maukspitze. Am Freitag war dann eine gemütliche Wanderung mit meiner Mama am Plan zum Wildseeloderhaus mit Henne und Wildseeloder- eine Traum Tour :)